Warum wird der durchschnittliche Risikowert ausgerechnet auf den 250 gefährlichsten Metern berechnet?

Genau genommen kann die GRM immer nur eine Aussage über einen Einzelpunkt machen. Schwieriger ist die Gesamtbewertung einer ganzen Route. Die Gesamtbewertung der Route ist letztendlich immer willkürlich. Muss nun der durchschnittliche Risikowert über die gesamte Route oder nur über die gefährlichsten n Meter berechnet werden? Wie gross muss n sein? Muss gar das Maximum des Risikowertes als Massstab herangezogen werden (n gleich 0 Meter)? Zugegeben, die Wahl von n ist willkürlich und kann nur nach subjektiven Kriterien erfolgen. Zur Zeit steht der Wert n auf 250 m. Das heisst die Bewertung der Route erfolgt nach dem durchschnittlichen Risikowert auf den gefährlichsten 250 Metern.

Damit dieser Wert richtig verstanden wird, stelle man sich vor eine Route werde in 240 Abschnitte zu je 20 m eingeteilt. Für jeden Abschnitt wird ein Risiko-Indikator zwischen 0 und 3 berechnet. Nun werden die gefährlichsten 12.5 Abschnitte gesucht. Diese können beliebig über die Route verteilt sein. Sie können nebeneinander liegen oder in irgendeiner Form über die Route verteilt sein. Sobald diese 12.5 Abschnitte identifiziert sind, kann der Durchschnittswert des Risiko-Indikators über dies gefährlichsten 250 m (12.5 * 20 m = 250 m) berechnet werden. Die Zielbewertung einer Route wird also bestimmt durch das Risiko-Niveau über die gefährlichsten Stellen einer Route.

Warum nun ausgerechnet 250 m? Bei einem Wert von 250 m gibt es unter den eintägigen Skitouren keine Tour mehr, die rot ist, sofern die Gefahrenstufe im ganzen Gebiet auf "gering" steht. D.h. die Routen sind entweder grün oder orange. Die logische Überlegung, die dahinter steht, ist in etwa die folgende: Jede einigermassen plausible Skitour sollte bei "gering" durch erfahrene Personen geplant werden können. Geplant und noch nicht begangen! Ob die Route dann auch wirklich begangen wird, muss die erfahrene Person schlussendlich im Gelände entscheiden.

Dies ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Eine ständige Beobachtung der Risikowerte bei den unterschiedlichsten Lawinenbulletins hat ergeben, dass der Risikowert bei n=250 m in etwa der subjektiven Einschätzung entspricht.

Die aktuelle Berechnung des finalen Routen-Risikowertes ist in spezifischen Fällen nicht optimal. Wenn bspw. zwei Routen auf den 250 gefährlichsten Metern denselben finalen Risikowert haben, dann können sie sich im verbleibenden Gelände immer noch erheblich unterscheiden. Aus diesem Grunde sind Arbeiten im Gange, die den Risiko-Indikator durch Aufsummierung von Einzel-Wahrscheinlichkeiten berechnen.

Warum werden bei "erheblich" so viele Skitouren rot?

Auf den ersten Blick scheint die GRM einen linearen Zusammenhang zwischen Gefahrenstufe und erlaubter Neigung zu postulieren. Dieser Eindruck täuscht. Je nach Gefahrenstufe muss die steilste Hangneigung in einem grösseren Bereich gesucht werden. Insbesondere zwischen "mässig" und "erheblich" ist ein eigentlicher Quantensprung eingebaut. Bei "erheblich" ist nämlich plötzlich die steilste Stelle im ganzen Hang relevant. Die GRM ist somit hochgradig nicht-linear. Dies ist (vielleicht?) vom SLF so gewollt. Die Botschaft dahinter: Ab "erheblich" zu Hause bleiben oder sich ernsthaft mit der praktischen Lawinenkunde auseinandersetzen und auf jeden Fall defensiv vorgehen.

Mehr zum diesem Thema im Kapitel Gefahrenskalen.