Algorithmus

Die Bewertung der Skitouren basiert auf der Anwendung der Grafischen Reduktionsmethode (GRM). Für das weitere Verständnis ist daher die Kenntnis der GRM Voraussetzung.

Die GRM gibt vor, dass je nach Gefahrenstufe in unterschiedlicher Entfernung der Route die steilste Hangpartie gesucht werden muss (kritischer Punkt). Diese Entfernung wird im folgenden Triggerdistanz genannt. Im Grunde genommen handelt es sich um eine angenommene maximale Fernauslöse-Fähigkeit bei gegebener Gefahrenstufe. Der Algorithmus arbeitet mit den folgenden Triggerdistanzen:

Gefahrenstufe Triggerdistanz Erklärung
gering 0 m Fernauslösung ist unwahrscheinlich. Die steilste Hangpartie wird nur auf der Spur gesucht.
mässig 25 m Die steilste Hangpartie wird in der Umgebung von 25 m von der Spur gesucht.
erheblich- 112 m Arithmetisches Mittel zwischen der Fernauslösung bei mässig und jener bei erheblich.
erheblich 200 m Die steilste Hangpartie wird im ganzen Hang gesucht. Die Distanz von 200 m ergibt sich aus der durchschnittlichen Skifahrer-Lawine von 150 m plus ein kleiner Zuschlag.
erheblich+ 300 m Arithmetisches Mittel zwischen der Fernauslösung bei erheblich und jener bei gross.
gross 400 m Die steilste Hangpartie wird im ganzen Hang inklusive Auslaufbereich gesucht. Die Verdoppelung von erheblich zu gross entspricht dem exponentiellen Charakter der Gefahrenstufen.

 

Die Bewertung einer Tour erfolgt in den folgenden 6 Schritten:

1. Berechnung von Lawinenzügen

  • Für alle Punkte, die im Umfeld von 500 m von der Route liegen, werden gedanklich Lawinen losgetreten. Dies geschieht zur Zeit in einem Raster von 50 m.
  • Dabei werden pro Punkt mehrere Lawinen losgetreten, die sich mit unterschiedlicher Abweichung von der Gradientenlinie abwärts bewegen. Zur Zeit 3 Lawinen mit einem totalen Öffnungswinkel von 10 Grad.
  • Bis zu einem gewissen Grad wird den Lawinen auch die Fähigkeit zugesprochen aufwärts zu fliessen.
  • Alle Lawinenzüge, die die Route treffen werden abgespeichert, alle anderen ignoriert.
  • Pro Skitour werden bis zu mehreren 10'000 Lawinenzüge berechnet.
  • Das folgende Bild zeigt ein Beispiel von den Lawinenzügen am Schärhorn

2. Berechnung von sechs sogenannten Kritischen Routen

  • Anschliessend wird für jeden Punkt der Route und für jede potentielle Gefahrenstufe (gering, mässig, erheblich-, erheblich, erheblich+, gross) der gefährlichste Lawinenzug berechnet.
  • Dabei kommen zwei Kriterien zum Einsatz: Wie steil ist die steilste Stelle des Lawinenzuges und wie weit weg (Basiswinkel) von der Route liegt diese Stelle.
  • Als Ergebnis erhält man vier sogenannte kritische Routen (für jede Gefahrenstufe eine kritische Route).
  • Man kann sich vorstellen, dass der Tourengänger auf Grund seiner Fenrauslöse-Fähigkeit genau genommen auf diesen vier kritischen Routen läuft.
  • Oft befinden sich die kritischen Routen in steilstem Gelände oberhalb der Route, manchmal aber auch unterhalb der Route oder auf der Route.
  • Das folgende Bild zeigt die 4 kritische Routen am Schärhorn: Grün für gering, Gelb für mässig, Orange für erheblich und Rot für gross.

3. Berechnung von Gefahrenstufen über die Route

  • Im folgenden wird für jeden Punkt der Route die Gefahrenstufe berechnet.
  • Dabei kommen die Gefahrenzonen, sowie die Kernzone (kritischen Höhen und die kritischen Expositionen) des Lawinenbulletins zum Zuge.
  • Man beachte, dass bei Punkten, die im Einzug von mehreren Zonen mit unterschiedlicher Gefahrenstufe liegen die Daten mehrerer Zonen in die Berechnung eingehen.
  • Bei diesen Querrechnungen werden die vom SLF empfohlenen Toleranzwerte berücksichtigt: Bei Übergangsgrenzen zwischen zwei Gebieten unterschiedlicher Gefahrenstufen ist von mehreren Kilometern auszugehen. Der Algorithmus arbeitet mit 3 km. Die Genauigkeit kritischer Höhen liegt bei ca. 200 m, jene der kritischen Expositionen bei ca. 22.5 Grad. Alle Toleranzwerte werden zu Ungunsten des Skitourengängers ausgelegt.
  • Es wird angenommen, dass ausserhalb der Kernzone die Gefahrenstufe um eine Stufe geringer ist. Diese Herabstufung hat sich bei der Planung von Skitouren eingebürgert, gilt jedoch während der Skitour nicht mehr.
  • In Bezug auf die Exposition wird nur dann von einer tieferen Gefahrenstufe ausgegangen, wenn der ganze Lawinenzug ausserhalb der kritischen Expositionen liegt.

4. Berechnung des Neigung-Profils

  • Unterdessen ist für jeden Punkt und für jede Gefahrenstufe bekannt, wo der kritische Punkt liegt und wie steil der Hang dort ist. Zudem ist die Gefahrenstufe für jeden Punkt der Route bekannt.
  • Somit kann für jeden Punkt die massgebende Neigung berechnet werden. Der kritische Punkt, wo die massgebende Neigung aufgenommen wird, kann irgendwo liegen, auf der Spur oder irgendwo im Hang oberhalb bzw. unterhalb der Spur.
  • Daraus ergibt sich somit das Neigungsprofil.

5. Gefahren-Moderierung

  • Auf ausgeprägten Rippen, Rücken bzw. Graten wird immer mit einer Triggerdistanz von 0 m gearbeitet. Es wird also davon ausgegangen, dass Fernauslösung nicht mehr möglich ist.
  • Zudem wird auf ausgeprägten Rippen, Rücken bzw. Graten die Neigung entlang der Route und nicht am Punkt berechnet. Dies ist notwendig, da die Neigung auf ausgeprägten Rippen, Rücken bzw. Graten sehr sensitiv auf eine Verschiebung der Route reagiert.
  • Ausgeprägte Rippen, Rücken bzw. Graten werden mittels eines Plan-Curvature-Algorithmus berechnet.
  • Im folgenden Bild sind Bereiche, die als ausgeprägte Rippen, Rücken bzw. Kreten angesehen werden transparent-violett eingefärbt (Achtung: Bild veraltet).
  • In Wäldern wird die Gefahrenstufe um eins herabgesetzt. Diese Abstufung kann zwar in Einzelfällen zu Fehlern führen, da der Wald nicht in jedem Fall einen positiven Einfluss auf die Lawinengefahr hat. In der Regel macht die Abstufung jedoch schon Sinn.
  • In von Hand redigierten "SafeLocations" wird das Risiko auf "grün" abgesenkt.

6. Risikowert-Berechnung

  • Unterdessen ist für jeden Punkt der Route die Gefahrenstufe und die massgebende Neigung bekannt.
  • Mit Hilfe der GRM kann nun zu jedem Punkt ein Risikowert (grün, orange und rot) berechnet werden.
  • Relevant ist jeweils der Abstand zu einer der zwei Linien: Übergang grün/orange und orange/rot der Grafik, wie sie die GRM vorgibt.
  • Als Ergebnis erscheint das Risikowertprofil.
  • Zum Schluss wird das Risikowertprofil bewertet. Hierzu wird der durchschnittliche Risikowert auf den gefährlichsten 250 m berechnet.
  • Das folgende Bild zeigt ein Beispiel von den Risikowerten über die Route am Schärhorn. Mit Gelb ist übrigens der zusammengesetzte Verlauf der kritischen Route bei einem spezifischen Lawinenbulletin eingetragen.

Schlussendlich werden die Routen in eine Reihenfolge gebracht und die Daten für die Präsentation (Tabellen) aufbereitet.