Hangdefinition

1. Vorbemerkung

Der Begriff "Hang" erscheint in der grafischen Reduktionsmethode bei der Gefahrenstufe "erheblich" bzw. "gross". Es gilt die steilste Stelle im Hang zu finden. Doch was ist ein Hang?

Es ist wichtig sich bei diesem Thema in Erinnerung zu rufen, dass die Grafische Reduktionsmethode (GRM) eine rein probabilistische Betrachtung auf die Geländeform wirft. Es geht bei der "Suche nach der steilsten Hangstelle" also nicht um die Suche nach der Schwachstelle in der Schneedecke. Eine Lawine kann irgendwo ausgelöst werden, auch an einer Hangstelle, die nicht die steilste ist. Die GRM arbeitet eben mit der grossen Zahl, d.h. im Schnitt ist die steilste Hangstelle eben relevanter für die Gefährlichkeit eines Hanges als irgend eine andere Stelle.

Dem entsprechend hat der aktuell implementierte Algorithmus auch nichts mit Sturzbahnberechnung zu tun. Wenn trotzdem Sturzbahnen berechnet werden, dann dienen diese nur zur Hangabgrenzung und nicht, um eine tatsächliche Sturzbahn zu suggerieren. Da für jede Route mehrere hundert mal der relevante Hangbereich abgegrenzt wird, ist es nicht unbedingt notwendig, dass dieser Hangbereich in jedem einzelnen Fall zu 100 % stimmt. Es genügt, wenn die Hangabgrenzung im Schnitt stimmt.

2. Aktuelle Hangdefinition

Der zur Zeit implementierte Algorithmus definiert den "relevanten Hangbereich" in pragmatischer Weise: Für jeden Punkt auf der Route (im Bild rot) wird der relevante Hangbereich neu definiert. Der relevante Hangbereich (im Bild gelb) umfasst alle jene Gebiete, die durch Lawinenzüge durchlaufen werden, die irgendwann den aktuellen Punkt durchkreuzen. Im Bild sind aus Gründen der Anschaulichkeit nur wenige Lawinenzüge eingetragen. Bei der Hangabgrenzung kommt zudem die Triggerdistanz von 0, 20, 112, 200, 300 oder 400 m zur Anwendung. D.h. es werden nur jene Bereiche der Lawinenzüge zum Hang hin zugezählt, die sich innerhalb der Triggerdistanz befinden. Im Bild ist die Triggerdistanz als Beispiel mit 200 m für "erheblich" eingetragen. Damit auch die horizontale Fernauslösung miteinbezogen ist, wird den Lawinen zugesprochen sich auszudehnen, d.h. von der Gradienten-Linie um einen konfigurierbaren Wert abzuweichen.

 

Hangdefinition

 

3. Schwächen der aktuellen Hangdefinition

Die aktuelle Hangdefinition hat noch eine Reihe von Schwächen. Diese Schwächen können unterteilt werden in solche, die eine zu strenge Beurteilung und eine zu lasche Beurteilung zur Folge haben. Es leuchtet ein, dass v.a. der letztere Typus problematisch ist.

A. Schwächen, die eine zu strenge Beurteilung zur Folge haben:

  • Es gibt Fälle in denen sich der aktuelle Algorithmus in zu steilen Hangpartien oberhalb des "Act. Slope Point" verrennt. Beispiel: Ein Hang mit konstant 20 Grad Neigung, der plötzlich in eine beinahe senkrechte Felswand übergeht. Der Algorithmus kann solche Geländefalten nicht erkennen und wird den "Steepest Point" in die Felswand verlegen. Dieser Punkt ist jedoch für die Fernauslösung im Beispiel nicht relevant.
  • Es gibt Situationen in denen eine Fernauslösung des "Steepest Point" unmöglich ist, da das Gelände in der Umgebung des "Act. Slope Points" zu flach ist.

B. Schwächen, die eine zu lasche Beurteilung zur Folge haben:

  • Die horizontale Fernauslösung ist nur bis zu einem gewissen Grad miteinbezogen. Dies ist an der engen Taille oben gut erkennbar.
  • Fernauslösung nach unten. In der aktuellen Implementation bezieht der Algorithmus auch die sich unterhalb des "Act. Slope Point" befindende Hangpartie in die Betrachtung mit ein. Hier wird jedoch nicht zwischen den Gefahrenstufen unterschieden. Es wird immer davon ausgegangen, dass die maximale Fernauslösefähigkeit gegen unten fix ist (zur Zeit 25 m). Warum diese Einschränkung: Wenn in dieser Richtung (nach unten) nochmals nach Gefahrenstufe unterschieden wird, besteht die Gefahr, dass sich der Algorithmus bei "erheblich / gross" in eine nicht mehr aussagekräftige Steilpartie verrennt.